Rockstar muss sich wegen Entlassung von 31 GTA 6-Entwicklern vor Gericht verantworten
Ein Arbeitsgericht in Glasgow prüft, ob Rockstar GTA 6-Mitarbeiter unrechtmäßig wegen Gewerkschaftsarbeit oder wegen Leaks vertraulicher Spieldaten entlassen hat.

Rockstar Games, das Studio hinter Grand Theft Auto VI, musste sich heute vor einem Arbeitsgericht in Glasgow gegen den Vorwurf verteidigen, im vergangenen Oktober 31 Entwickler unrechtmäßig entlassen zu haben. Die Klage wurde von der Gewerkschaft Independent Workers of Great Britain (IWGB) eingereicht und dreht sich um die Frage, ob die Kündigungen eine Reaktion auf gewerkschaftliches Engagement oder auf Leaks zu GTA 6 waren.
Die IWGB behauptet, die Betroffenen seien gezielt wegen ihrer Gewerkschaftsarbeit ins Visier genommen und auf eine schwarze Liste gesetzt worden. Zudem seien die Kündigungen ohne Einhaltung der üblichen Disziplinarverfahren erfolgt und das Recht auf Einspruch sei verweigert worden. Laut IGN wurden die Mitarbeiter am Tag der Entlassung zu Gesprächen gebeten und anschließend sofort aus dem Gebäude geführt. Remote-Beschäftigte erhielten demnach abrupte Anrufe, bevor ihre Konten gesperrt wurden. Einem Mitarbeiter, Will Mesilane, soll sogar das Arbeitsvisum entzogen und dem Home Office gemeldet worden sein, sodass er ohne Einspruchsmöglichkeit nach Australien zurückkehren musste.
Rockstar hingegen betont, die Kündigungen seien wegen groben Fehlverhaltens erfolgt: Es habe Leaks vertraulicher Informationen zu GTA 6 auf Discord gegeben. Laut Unternehmen betrafen die Leaks Details zu Spielfeatures, Entwicklungsstand, Zeitplänen und internen IT-Sicherheitsmaßnahmen. Rockstar argumentiert, dass ein öffentliches Bekanntwerden dieser Informationen den Aktienkurs der Muttergesellschaft Take-Two hätte beeinflussen können – ein früherer Verschiebungsankündigung zu GTA 6 hatte bereits einen Wertverlust von 3,75 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag ausgelöst.
In einer offiziellen Stellungnahme gegenüber IGN erklärte Rockstar: „Personen in Großbritannien und Kanada wurden wegen groben Fehlverhaltens nach der Weitergabe vertraulicher Unternehmensinformationen entlassen, nicht wegen angeblicher Gewerkschaftsmitgliedschaft oder -aktivität. Wir weisen die Vorwürfe zurück und werden uns vor Gericht energisch verteidigen.“
Das Unternehmen verweist auf seine langjährige Null-Toleranz-Politik bei Leaks und frühere Entlassungen in Großbritannien, den USA und Indien wegen ähnlicher Verstöße. Die Verschwiegenheitsregeln bei Rockstar gelten als deutlich strenger als branchenüblich, und laut Unternehmen seien alle Mitarbeiter umfassend darüber informiert. Streit gibt es über die Discord-Gruppe: Rockstar behauptet, es habe sich nicht um einen internen, geschlossenen Kanal gehandelt, sondern um einen mit Hunderten Nutzern, darunter möglicherweise auch Personen von Konkurrenzstudios oder Medien. Die IWGB widerspricht und betont, der Kanal sei privat gewesen.
Jason Lewis, ehemaliger Rockstar-Entwickler und IWGB-Mitglied, hob die emotionale Belastung hervor: „Wir haben unseren Job, unser Einkommen, unsere Community und die Chance verloren, das Spiel nach jahrelanger Arbeit fertigzustellen. Es war verheerend.“ Die Entlassenen fordern Wiedereinstellung oder Entschädigung sowie eine gerichtliche Feststellung, dass ihre Kündigungen unrechtmäßig waren.
Die Anhörung soll bis zum 16. Oktober dauern – etwa einen Monat vor dem geplanten Release von GTA 6. Parallel verhandeln IWGB und Rockstar weiterhin über eine formelle Anerkennung der Gewerkschaft. Die IWGB fordert mehr Transparenz bei Gehältern, besseren Kündigungsschutz, ein Ende von Crunch und flexiblere Arbeitsbedingungen. Sollte die Anerkennung erfolgen, wäre Rockstar das größte gewerkschaftlich organisierte Spielestudio Großbritanniens.
IWGB-Präsident Alex Marshall sieht den Fall als Bewährungsprobe für Arbeitnehmerrechte: „Wenn Rockstar damit durchkommt, Beschäftigte wegen gewerkschaftlicher Organisation zu entlassen, sendet das ein Signal an alle Arbeitgeber in Großbritannien, dass sie es genauso machen können. Das dürfen wir nicht zulassen.“
Trotz des laufenden Rechtsstreits baten die entlassenen Mitarbeiter die Fans kürzlich, GTA 6 nicht zu boykottieren, sondern stattdessen ihren Rechtshilfefonds über Merchandise-Käufe zu unterstützen. Das Urteil des Gerichts könnte weitreichende Folgen für Arbeitnehmerrechte in der britischen Games-Branche und darüber hinaus haben.
Häufige Fragen
- Warum wurden die 31 GTA 6-Entwickler von Rockstar entlassen?
- Rockstar behauptet, die Entwickler seien wegen Leaks vertraulicher GTA 6-Informationen entlassen worden, nicht wegen Gewerkschaftsarbeit. Die Gewerkschaft widerspricht.
- Was wirft die Gewerkschaft IWGB Rockstar vor?
- Die IWGB wirft Rockstar vor, Mitarbeiter unrechtmäßig wegen gewerkschaftlicher Organisation entlassen und die Kündigungsprozesse nicht ordnungsgemäß eingehalten zu haben.
- Wann endet das Verfahren um die Rockstar-Entlassungen?
- Die Anhörung läuft voraussichtlich bis zum 16. Oktober 2026, etwa einen Monat vor dem Release von GTA 6.
Quellen
Alle Fakten in diesem Artikel stammen aus den unten genannten Quellen.
- ign.com · 10. Sept. 2026
Rockstar faces a tribunal over the firing of 31 GTA 6 developers, accused of unlawful dismissal related to union activity.



